… erste Begegnung mit der “Erleuchtung”

… Ich war immer noch bei der Bundeswehr und leistete meinen Dienst ab. Insgesamt war ich aber “aufmüpfiger” als die Anderen und legte mich schon mal mit den jeweiligen Vorgesetzten an, vor allem, wenn irgendein Unsinn befohlen wurde. (zum Beispiel Volleyball in einer Halle mit Tennisfeld und einem Tennisnetz zu spielen, in einer Halle, in der in 2,50m Höhe Stahlbalken über das Feld gingen)
Regelmäßig versuchte der “Zug-Führer” mich zu Wochenenddiensten zu verdonnern, aber eben so regelmäßig ließ mich der Kompaniechef dann auch wieder gehen. (Zum Ärger des Zugführers). Aber einmal war ich dann doch dran. Ich musste das Wochenende in der Kaserne bleiben und Wache schieben. Jener Mann, den ich schon auf der ersten Hinfahrt zur Kaserne kennengelernt hatte, bekam das mit und gab mir für die Zeit, in der ich keinen Dienst hatte, ein Buch zu lesen. Es war “Siddartha” von Hermann Hesse.

Als ich die Zeit hatte, das Buch zu lesen, fing ich auch damit an, beabsichtigte aber nicht, es ganz auf einmal zu lesen, sondern nur Kapitel für Kapitel. So ein Lesewurm war ich nicht. Aber es kam ganz anders.
Als ich anfing das Buch zu lesen, war ich zunächst ob des Schreibstiels etwas verwirrt. Aber irgendwie ließ es mich auch nicht los. Ich vertiefte mich mehr und mehr in das Buch und vergaß schließlich die Zeit vollkommen. Ich las und las und tauchte immer tiefer in das Leben des Buddha ein. (Siddartha ist der “bürgerliche” Name von Buddha)
Das Buch hatte einen Sog auf mich und alles andere war vollkommen egal geworden. Dann, an der Stelle des Buches, an dem Siddartha seine Erleuchtung erfährt, fühlte ich, wie so etwas wie ein glühendes Schwert durch meinen Körper ging. Einmal quer durch. Es tat weh und es tat nicht weh. Es war heiß und es war nicht heiß. Mein Körper verlor jedes Gewicht und ich schien über dem Bett zu schweben, auf dem ich die ganze Zeit gelegen hatte, um das Buch zu lesen. Ich empfand mich als körperlos, obwohl ich meinen Körper deutlicher wahrnehmen konnte als zuvor.
Dieser Zustand war extrem intensiv und es war eine Freude in mir, die ich bis dahin niemals auch nur annähernd gespürt hatte. Alles um mich herum schien sich aufzulösen und doch war alles deutlicher sichtbar und sogar fühlbar. Andere Worte für diesen Zustand kann ich nicht finden. Auch weiss ich nicht, wie lange der Zustand anhielt, aber es muss schon längere Zeit gewesen sein, denn als ich langsam wieder in meinen “normalen” Zustand zurückkam, war es bereits abends.

Dieses Erlebnis hat mich über Jahre hinweg beeinflusst, und mir sozusagen ermöglicht, “dabei zu bleiben”, auch wenn ich damals nicht die Bohne einer Ahnung hatte, wobei eigentlich.

Was ebenso kurios war… Der Mann, den ich auf der Fahrt zur Bundeswehr kennengelernt hatte, sollte mich noch weiter begleiten. Als ich meine erste eigene Wohnung in Dortmund bezog, zog er kurze Zeit später ebenfalls in das gleiche Haus ein. Selbst eine Freundin hatten wir gemeinsam (nacheinander… nicht gleichzeitig). Erst als ich mit meiner ersten Frau zusammenkam, verlor sich der Kontakt…

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