Ein besonderer Befehl…

Als ich 18 war, wurde ich (für mich sehr plötzlich) zur Bundeswehr eingezogen (damals gab es sowas noch). Direkt ein paar Tage nach dem Fachabi musste ich “einrücken”. Schon auf dem Weg nach Schleswig-Holstein lernte ich jemanden kennen, der dann später auch in der Kaserne untergebracht war, wie ich auch. (Diese Begegnung spielte auch für eine weitere Geschichte eine Rolle)
Für mich war Bundeswehr einfach der Horror, vor allem am Anfang – weges des ständigen Geschreis der Vorgesetzten und dem Umgangston während der Ausbildung. Auf die Art wurde versucht, den Willen der “Neuen” zu brechen. Ich zog mich in mich selbst zurück und machte das, was man dort eben als “Neuer” so macht. Man versucht sich anzupassen. Ein paar wenige machten das nicht, die landeten dafür dann aber auch gleich für geraume Zeit im Knast. Dazu brauchte es keine nähere Begründung, nur sogenannten Ungehorsam.

Irgendwie schaffte ich es, die Grundausbildung hinter mich zu bringen und dann wurde es etwas ruhiger. Durch den rauhen Umgangston in der Kaserne (die “Älteren”, also die schon ein paar Monate länger dort waren, machten da durchaus mit) bekam ich nach und nach immer mehr Warzen an den Händen. Ich ging zum Arzt. Der vereiste die Warzen und scharbte sie dann aus. Das half aber nicht. Nach einiger Zeit waren wieder neue vorhanden. Insgesamt sehr unerfreulich.
Als ich mal wieder vom Arzt zurück kam, begegnete mir einer der Offiziere auf der Treppe. Er fragte mich, warum ich denn schon wieder beim Arzt gewesen sei und ich erzählte ihm von den immer wiederkehrenden Warzen. Zu meiner totalen Überraschung lachte der nur und sagte: “Da musst du nicht zum Arzt gehen. Warzen muss man besprechen!” ?!?

Ich war völlig perplex. Sowas hatte ich zwar schon mal als Spruch von meiner Oma gehört, aber von einem Offizier der BW? Im Zimmer angekommen, überlegte ich, wie das denn wohl gemeint war. Immerhin hatte ich noch eine ganze Reihe Warzen, zwar kleinere, aber es war zu erwarten, dass ich mit denen auch irgendwann zum Arzt müsste. Dann entschloss ich mich, den Warzen den Befehl zu geben, zu verschwinden. 3x an dem Morgen, am Mittag und Abends auch noch 3x. Danach geriet das Ganze in Vergessenheit.

Etwa 3 Wochen nach dieser Aktion fielen mir die Warzen wieder ein (in der Zwischenzeit hatte ich sie total vergessen). Ich schaute mir meine Hände an, aber zu meiner großen Überraschung waren da keine Warzen mehr. Sie waren komplett verschwunden. Die Überraschung war wirklich sehr groß, aber natürlich war ich auch hoch erfreut darüber. Es blieb der Eindruck zurück, dass ich in irgendeiner Weise meinen Körper beeinflusst hatte, aber erklären konnte ich mir das nicht.

Heute weiss ich, dass der Körper tatsächlich meinen “Befehlen” folgt. Allerdings sind die Erkenntnisse weiter gegangen und ich habe nun das Bewusstsein, dass mein Körper gar keine Befehle braucht, sondern nur die Erlaubnis, sich zu heilen. Und das tut er dann auch. Denn “Befehle” kommen meist nicht aus dem Bewusstsein, sondern aus dem Verstand, und das ist eher kontraproduktiv, auch wenn es funktionieren kann, wie bei mir, als ich 18 war.

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